Donnerstag, März 08, 2007

Hurra nun werden wir Kinderfreundlich!

Die deutsche Bundesregierung hat es entdeckt: Deutschland muss kinder- und familienfreundlich werden. Ein recht heisse Debate ist nunmehr darum entbannt, wie das geschehen soll und ob 500.000 Kindergartenplätze den vorhandenen Bedarf widerspiegeln oder nicht.
Offenbar hat Deutschland eine solche Debatte nötig. Anders als in anderen Ländern hat man in Deutschland entweder das Bewustsein verloren (oder vielleicht auch noch nie gehabt?), das die Familie die Kleinste Zelle der menschlichen Gesellschaft ist. So jedenfalls schrieb es einmal ein gewisser Karl Marx - Student aus Trier (einer deutschen Universitätsstadt). Aber das war lange vor der Zeit unserer deutschen Kanzlerin Angie. Heute gilt es in Deutschland offenbar als revolutionär und bahnbrechend, wenn Vätern das Recht auf Kindeserziehung und Müttern das Recht auf Arbeit eingeräumt wird. Gab es zwar alles schon mal, war aber diktatorisch, weil kommunistisch und eben vor allem nicht gesamtdeutsch.
Ja Gesamtdeutsch: Auch heute ist Deutschland in den Köpfen vieler meinungs- und politikmachender immer noch grösser als die Bundesrepublik. Da muss man dann das Grosse im Auge haben und sich eben nicht in Details verlieren. Zum Beispiel um die Kinder- und Familienfrendlichkeit in Gesetzen und deren Umsetzung in Gemeinden. Wozu also Kinderspielplätze in Wohnquartieren mit vorwiegend jungen Familien und oft auch sozial schwachen? Weg damit! Kann doch nicht sein? Dann unternehmen sie doch einmal eine Reise in die "erste sozialistische Stadt auf deutschem Boden" - auch heute heisst diese noch Eisenhüttenstadt und schauen sich um den Wohnquartieren derer, die sich Kinder statt Segeljacht, Mercedes und Eigenheim leisteten. Kinder kosten eben Geld, sind aber keine effektive und renditeträchtige Geldanlage, wie Fonds und Aktien. Aus Effektivitäts- und Förderbescheidgründen werden sie eher Abrissbagger und eingeebnete Spielplätze finden, als quirrlige und tobende Kinder. Ohje, tobende Kinder! Die spielen womöglich auch Samstags nach 15:00 Uhr auf dem Rasen vor dem Wohnblock (egal ob mit oder ohne Spielplatz) Fussball und artikulieren sich lautstark. Nur gut, das es dann aufmerksame und ordungsliebende Deutsche Staatsbürger gibt, die beim Vermieter umgehend Dampf machen, damit diese aufmüpfigen Lärmquellen dauerhaft beseitigt werden. Ja Deutschland muss dann freilich grösser werden als die Bundesrepublik, denn weg mit diesen tobenden Lärmquellen - ab in das dann deutsche Sibirien! Sie sehen: Deutschland braucht zwingend neuen Lebensraum.
Ich merke es nun selbst schon: Das Thema ist in der deutschen Geschichte schon zu oft angepackt und nicht zu bewältigen gewesen. Nur gut, das Deutschland nun eine entsprechende Debatte zu diesem Thema hat. Nur gut auch, das es diesen Studenten aus Trier nicht mehr gibt und ihn auch sonst keiner in Deutschland kennt. Der meinte nämlich auch: "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kömmt aber darauf an, sie zu verändern...."

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