Sonntag, Juli 08, 2007

Die Stadt im Osten mit dem "eigenen goldenen Westen"

Es ist nun schon ein paar Jahre her, da stellte es Wolfgang Stumph fest: Diese Stadt im Osten Deutschlands ist entwicklungsfähig, in ihr stecken ungeahnte Potenziale. Stumph hielt diesen Umstand in einem Film fest, der dann im ZdF ausgestrahlt worden ist: Das Schwalbennest. Etwa im selbigen Jahre entstand der Song "Eisenhüttenstadt" von Mariachis & Ivo Lotion. Beide Werke beschreiben ein und den selben Zustand: das Leben in der ehemaligen ostdeutschen Vorzeigestadt, die ihren Namen vom dortigen Eisenhüttenwerk bezog und noch heute bezieht.
Was beide nicht zeig(t)en, was aber bis heute in dieser Stadt noch immer Tatsache ist: Die telekommunikative Versorgungslage in der Stadt am Oderstrom hat einen seit dem 09.11.1989 nicht mehr existierenden Zwillingsbruder, der damals aus der politischen Landschaft Europas verschwand und sich geteiltes Deutschland nannte. Während an diesem Tage ein künstliches Bauwerk -die Mauer- fiel, besteht das telekommunikativ die Stadt trennende und ebenfalls künstliche Bauwerk -der Oder-Spree-Kanal- auch heute noch und wird es sicherlich (und hoffentlich) auch in vielen Jahren noch tun.
Und wie im damals geteilten Deutschland es nicht verwunderte, dass Menschen, die sich im Osten Deutschlands in ihrer Freiheit beschnitten sahen und in den "goldenen Westen" zogen, so ziehen die heute in Eisenhüttenstadt verbliebenen, wenn sie die Stadt nicht besser gleich ganz verlassen, durchaus in den eigenen "städtischen goldenen Westen", wo es zwar nicht mehr Arbeit gibt, dafür aber DSL-schnelles-Internet, Telekom-Hotspot und FON-Spots. Hier werden Wohngebäude auch eher saniert und erhalten als abgerissen, hier haben auch kleinere Unternehmen eine Option auf Überleben, während für das mit Steuermitteln vor wenigen Jahren aufwendig sanierte Ost-Kiez-Zentrum "Fröbelring-Passage", derzeit Magneten gesucht werden, damit nicht auch noch der Rest, der hier verbliebenen Bürgermeister-Werner-Wähler-Seelen aus dem Kiez in den "goldenen Westen" oder lokale Altenheime verschwindet.
Nur gut das beide Teile der Stadt nicht so hermetisch von einander getrennt sind, wie es die beiden Teile Deutschlands damals waren, denn beide Stadthälften, der derzeit wahrhaft erblühende Osten und der telekommunikativ "goldene Westen" werden durch vier Brücken miteinander verbunden, auf denen ein ungehinderter Personenaustausch und damit einfach zu bewältigender Umzug jederzeit möglich ist. Es ist also möglich zum Infos aus dem Internet holen, dabei nur die Kanalseite zu wechseln und danach wieder in die rasant renaturierte Ostseite zu gelangen.
Die Uhren in dieser Stadt ticken offenbar auf sehr deutsche Art, denn so ein Zusammenwachsen dauert....

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