Samstag, November 17, 2007

"Dauerarbeitsplätze" - wirklich hier?

Der Wirtschaftsboom in Hütte scheint kein Ende zu nehmen. Vor wenigen Jahren noch, wurden Dessous in Grössenordnungen in unserer Stadt produziert, zuvor wurden wir auch schon als künftger Öl-Reinigunsplatz gehandelt, nun kommt die Produktion von Wellpappe hinzu und auch die "Solar -Torte" ist hierorts bereits angeschnitten worden.
Glaubt man diesen verheissungsvollen Nachrichten und sieht sich die Realität (nicht nur) in Hütte an, ist man zumindest verwirrt: Industrielle Produktion als der magische Futura-Arbeits-Plätzchen-Lieferant? Wo aber sollen die künftigen Produktions-Dauer-Arbeitsplätzler in Hütte wohnen? In Zelten auf den Freiflächen der zuvor abgerissenen P2-Wohnblöcke? Oder schafft man neue Baracken-Wohnsiedlungen a la Aufruchstimmung im Kiefernwald anno 1950? Wer heute hierher neu ziehen will, bekommt zumindest derzeit von den beiden Vermietern der Stadt zuerst einmal zu hören: Kein Wohntraum zum Vermieten frei! Nur auf etwas hartnäckigerer Nachfrage hin, findet man dann dort eine Lösung. Mieter haben nun einmal die unfreundliche Eigenschaft, nicht nur Miete zu zahlen sondern auch Arbeit -im Sinne des Wortes: Ich muss hier was tun- zu verschaffen. Sie mögen kein fliessendes (Regen)Wasser von den Wänden, und undichte Dächer.
Der neueste Hoffnungs-Schimmer-Clou: Dienstleistungen in Hütte - 400 Dauerarbeitsplätze im magischen ServiceBereich "ganzheitliches E-Commerce- und Kundenkontaktmanagement". Zumindest die Branche verwirrt mich nicht: Dauerarbeitsplätze sind hier in der genannten Grössenordnung wirklich möglich, der Markt boomt, national und auch global. Der potentielle Investor ist auch potent genug, um selbst in Hütte ein solches Projekt stemmen zu können. Mögliche Immobilien dafür müssten nicht erst aufwendig geschaffen werden, diese sind durchaus auch nach derzeitigen AbrissWahn vorhanden: Zwei oder drei Etagen im Bürogebäude neben dem "Hotel Berlin" oder auch im leer stehenden ehemaligen Gästehaus würden genügen, um nach entsprechenden Umbauarbeiten diese Zahl von Arbeitsplätze realisieren zu können. Nur bedarf es gerade in dieser Branche Menschen, die an 24Stunden an allen 7Tagen einer Woche bereit sind, Dienste zu leisten für Kunden: egal ob diese freundlich oder maulig, verstehend oder nicht verstehend... Es sind Kunden, die einfach nur bedient werden wollen, ohne hinterher bedient zu sein. Wenn ich mir da so den Diensteifer der Angestellten unserer Vermieterunternehmen und auch manchen Stadtverwaltenden ansehe, kommen mir zumindest arge Zweifel auf, ob das in Hütte zu schaffen ist, denn die Stadt und zum Teil auch die Region hat sich mental schon eher auf Vorruhestand und Pension eingestellt, als auf Kundenservice und Flexibilität. Abhilfe schafft da gewiss auch kein Kostenloser Bus-Shuttle der Stadtverwaltung und des InvestorCenters, dazu bedarf es auch vieler ortgsansässiger junger motivierter Leute mit guter (Aus-)Bildung nicht nur im technisch-ökonomischen Bereich sondern vor allem auch im allgemeinen mehr menschlich verständnisvollen Bereich.
RE: Die hohe Schule und Ihre Ziele
RE: Zwei Themen am Mittwochabend

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