Dienstag, Januar 22, 2008

böses BilligLohnLand Thüringen und gutes FairLohnLand Brandenburg

Wenn man nicht arbeiten geht, hat man Zeit, Zeit um auch einmal die MOZ in der Printausgabe zu lesen. Im Urlaub ist solche Zeit durchaus vorhanden.
Ich habe mir einmal die Printausgabe der MOZ vom 16.01.2008 vorgenommen und dort (nichtzufällig, sondern schon bewusst) drei Artikel zum Thema CallCenter und BilligLohn gefunden. Alle drei Artikel, waren in der OnlineAusgabe der Zeitung nicht zu finden [warum wohl?], weshalb ich leider auf die Printausgabe zurück greifen musste.
Sicherlich sind eine grosse Anzahl von CallCentern nicht unbedingt das, was man als den wirtschaftlichen Aufschwung in einer Region bezeichnen kann. Sicherlich ist es ebenfalls sehr richtig, auch in ausgesprochenen ServiceBranchen Löhne zu fordern und notfalls auch mit wirtschaftspolitischen Mitteln durchzusetzen, von denen die Menschen Leben können, denn es gilt auch heute noch, was ja bekannter Massen möglichst niemand mehr wissen will und ein gewisser Student aus Trier vor über 150 Jahren offenbarte:
"...die handgreifliche, aber bisher total übersehene Tatsache, daß die Menschen vor allem essen, trinken, wohnen und sich kleiden, also arbeiten müssen, ehe sie um die Herrschaft streiten, Politik, Religion, Philosophie usw. treiben können..."
Nach Lesen der besagten MOZ-Artikel, wähne ich mich nun im guten FairLohnLand Brandenburg besser aufgehoben als im bösen BilligLohnLand Thüringen. In diesem bösen Lande -so die bei mir angekommene Botschaft des Tagesblättchens- werden in diesem Jahr sehr warscheinlich 400 Arbeitsplätzchen in der CallCenterBranche entstehen und nicht im guten FairLohnLändle Brandenburg. Nun ja, das ist gewiss auch richtig so und selbst die Statistik der Bundesagentur für Arbeit beweist es mir: Thüringen hat derzeit sicherlich auch wegen seiner bösen Billiglohnförderpolitik eine geringere Arbeitslosenquote als Brandenburg [11,8% zu 13,5% in 12-2007] . Dies offenbarte mir keiner der dort zu Worte gekommenden Autoren [weil ja völlig irrelevant];ebenso fand ich keine Antwort auf die sich im Anschluss mir unwillkürlich aufdrängende Frage [weil ja ebenso völlig irrelevant]:
CallCenter sind Dienstleister. Sie schaffen keine Werte durch unmittelbare Produktion. Sie sind wertschöpfende Unternehmen, welche von den Geldern leben und somit in der Folge auch nur Leben lassen, was wertproduzierende Unternehmen für Produktservice ausgeben. Diese Ausgaben für den Service [den der Dienstleister CallCenter erbringt] legen diese produzierenden Unternehmen naturgemäß auf den Preis Ihrer Produkte um, was somit zu einer Steigerung des Produktpreises führt. Nun will auch das FairLohnLand Brandenburg [denn Geiz ist auch hier ja geil] billige Produkte mit hohem Wertestandart und möglichst exklusivem Service. Gleichzeitig aber ist das Land nicht bereit hinzunehmen, dass für diese Produkpreise dann nur geringe Löhne im ServiceBereich abfallen. Rein Rechnerisch schon einmal. O.K. auch das sei eingeräumt, meine mathematischen Grundkenntnisse erwarb ich in Eisenhüttenstädter Schulen zu einer Zeit, als diese noch ein kommunistisches und damit undemokratisches Schulsystem hatten. Vielleicht -und offenbar sehr wohl- rechnet man in demokratischen Zeiten Brandenburgs anders? Vielleicht -und offenbar ebenfalls sehr wohl- funktioniert Wirtschaft im heutigen Brandenburg auch grundsätzlich völlig anders als zu Zeiten des Studenten aus Trier?

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