Samstag, April 19, 2008

Ist Bildung Glückssache?

Der Bildungsgutschein - hört sich ja erst einmal ganz gut an. Da bekommen "Bildungswillige" einen Gutschein, um hiermit Bildung geniessen zu dürfen. Wer also sich weiter-bilden möchte, gehtzur Agentur und bekommt einen solchen schein, dürft man denken. Falsch gedacht. Auch wenn man will bekommt man nicht unbedingt einen und wenn man nicht will, muss man eventuell einen nehmen. Bildung auf Gutschein - egal wie die Verteilungspraxis ist, ist ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft.
Bildung ist Teil der Gesellschaft und derer kulturellen Errungenschaften. Vergeben wir in einer Gesellschaft Bildung auf Gutschein [und damit zugleich auch selektiv] laufen wir Gefahr, Teile der Gesellschaft von Bildung auszuschliessen. Warum auch immer - nicht unbedingt zwangsläufig auch zugleich beabsichtigt. Genau dieser Teil der Gesellschaft wird es sein und ist es schon [auch teilweise mit Familientradition], der weil eine Bildungsresitenz vorliegt am Ende auch arbeitsresistent werden wird. Will sagen, weil man in diesem Teil der Gesellschaft nicht über die bildungsseitigen Voraussetzungen verfügt an der moderenen Arbeitswelt erfolgreich teilzunehmen, nimmt man nicht teil.
Bildung und Lernen sind aber in der moderenen Arbeitswelt nicht nur Aufgabe in jungen Jahren, sondern lebenslage Aufgabe. In der Schule können und werden zunehmend nur noch reine Basics [Grundlagen] vermittelt, die eine Differenzierung in der Bildungs- und Lernzielrichtung für die Zeit nach der Schule schaffen. Wer -auch hier warum auch immer- diese Basics in der Schule nicht vermittelt bekommen hat, wird dann in der Nach-Schule-Zeit wenig Chancen auf zielgerichtete Fortbildung und zielgerichtetes Lernen haben, muss also die Basics dann irgendwann erwerben bzw. vervollständigen.
Ein gewisser Kreislauf setz hier sich in Gang. Verfügen Eltern nicht über diese Basics, werden sie ihren Nachkommen, den Kindern also, aus eigenem Erleben nicht aufzeigen können, das diese Grundlagen notwenig sind für einen erfolgreichen weiteren Lebensweg. Die Kinder sind zumeist dann entweder sich mehr oder minder allein überlassen oder aber gehören zu der Gruppe, die die Auffassung vertritt, Lernen bringe sowieso nichts. [als vermittelter Erfahrungswert aus der Familie] Fehlende Erfolge in der Lernwelt der Schule sind damit vorprogrammiert ebenso wie darauf aufbauend fehlende Erfolge in der weiteren Arbeitswelt. Man wird somit [weil bringt ja eh nichts] sich weder um Bildung bemühen noch [weil bringt ja auch nichts] um einen Arbeitsplatz bewerben. Genau aber für diese Zielgruppe war der Bildungsgutschein auch einmal gedacht, nur wird er und erreicht er diese Zielgruppe gar nicht erst. Es ist also für die Bildungsgutscheinverteiler durchaus auch ein wenig Glückssache, wenn in dieser Zeilgruppe ein Bildungsgutschein angenommen wird.
Der Ansatz, Arbeitslosigkeitzeiten nicht zwingend mit Fort-, Aus- und Weiterbildung zu verbinden, ist aus meiner Sicht schon falsch, weil bildung wird hier auf eine Freiwilligkeitsbasis gestellt. Dieser bildungs- und somit rbeitsresistente Teil der Gesellschaft bezieht dennoch gesellschaftliche Transferleistungen. Diese sollten von klaren Bedingungen auch innerhalb der Transferleistungszeit abhängig sein. Das aber ist der zweite, wenn nicht gar der dritte Schritt. Begonnen werden werden müsste viel eher, an ganz anderer Stelle und auch mit Dingen, die erst einmal wenig mit Bildung zu tun haben...

Kommentar veröffentlichen