Freitag, Juni 13, 2008

Wenn Bildung einmal wirklich Chefsache wäre....

dann würde sich auch wirklich etwas bewegen. Bildung wäre wieder Teil unserer Nationalkultur. Deutschland könnte wieder ein Land der Dichter und Denker werden – ja wenn eben Bildung wirklich auch Chefsache wäre. Bildung kann nicht nur Angelegenheit von Elternhaus und Familie sein, weil sich dann Bildung der Nachgeborenen an den sozialen und finanziellen Möglichkeiten ihrer Vorfahren orientiert und nicht deren Grenzen sprengen wird. Kreativität, Überschreiten von Denkgrenzen würde somit weitestgehend unterbunden. Wer arm und sozial schwach ist, weil es seine Vorfahren sind oder waren, würde es damit immer bleiben (müssen).
Bildung beginnt im Kleinkindesalter, in Kindertagesstätten wo spielend Welten mit Gleichaltrigen entdeckt und ausgelotet werden, um sie dann gemeinsam zu überschreiten. Soziales Verantwortungsgefühl und ~bewußtsein wird hier trainiert. Das deutsche Gezetere um Kindergärten und „verantwortungslose Mütter jenseits von Herd und Küche“, ist es was uns hier behindert. Es ist schon
hier die Biertischpolemik deutscher Politik, die Bildung von Chefsache zum leeren Geschwätz verkommen lässt.
Bildung ist Investition - eine Art von Geldanlage bei der es keine jährlichen Zinsen und Dividenden gibt, wohl aber wirtschaftlichen Erfolg mit sozialen Aufstieg und sozialer Sicherheit in den kommenden Generationen. Bildung findet damit nicht nur in den Jahren der Schule statt, also von der 1. bis zur 12. / 13. Klasse. Bildung gelingt und erringt man auch und vor allem ausserhalb der Schulhöfe und ~mauern. Nach der letzten Schulstunde ist in deutschen Schulen aber in aller Regel erst einmal Schluß. Ganztagsschulen mit optionalen und fakultativen Angeboten gibt es zumeist aus Mangel an an finanziellem Spielraum der für die Bildung verantwortlichen Bundesländer nicht. Das förderale System der Bundesrepublik versagt hier, weil es seine Grenzen überschreiten und sich somit durch selbst zum Teil Infrage stellen müßte. Statt Erhöhung von Abgeordnetendiäten und Beamtengehältern wäre die Zahlung einer Aufwandsentschädigung für ehrenamtlich tätige „Wissensvermittler“ aus der wirtschaftlichen Praxis sinnvoll angelegtes Steuergeld. Die Wirtschaft ist dazu durchaus bereit, hierfür ihren Anteil zu leisten, die Politik und deutsche Bürokratie be- und verhindert zumeist eine solche Art von Wissenstransfer. Bildung würde dann ausserhalb der Theorie in der Schule erlebbar und greifbar, Lernen würde Spass machen, weil auch und dann neuerdings ein Sinn für den wissenerwerbenden Nachwuchs erkennbar und erlebbar ist.
Bildung und Erwerb von Wissen findet auch in der Freizeit statt, beim Besuch von Museen und Bibliotheken. Beides kostete Geld, so manches Mal ist dann ein 10 Euronen Schein aus der Tasche des Wissens-Interessenten in die Kasse der Bibliothek oder des Museums gewandert. Museen und Bibliotheken sind in Deutschland aber wirtschaftlich geführte Kulturstätten, was heissen soll: nur wenn ein Gewinn erwirtschaftet oder Kostendeckung aus eigenen Einnahmen erreicht wird, ist eine Wirtschaftlichkeit und somit Existenzberechtigung gegeben. [wenn wir diese Betrachtung in der Kultur allerdings konsequent fortdenken und umsetzen würden, dann müssten wir auch Kinderarbeit letztendlich legalisieren, dann auch Kinder wären nur wirtschaftlich, wenn sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, sprich erwirtschaften. Dem Herrn sei Dank! -Wir tun es noch nicht]. Der Besuch von Museen sollte stark subventioniert werden, nahezu kostenfrei sein – die Nutzung von Bibliotheken für die Allgemeinheit generell kostenfrei. „Es war einmal...“ so beginnen Märchen, aber auch Realitäten aus der deutschen Vergangenheit, wo dies einmal Wirklichkeit gewesen ist.
Wenn Bildung in Deutschland Chefsache wäre, dann würde von diesen wenigen Ideen das eine oder andere deutsche Realität werden (können), wenn Chefsache nicht nur Rednerpult-Schwätzen wäre, dann würden den Chef-Worten auch Chef-Taten folgen.

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