Mittwoch, Juli 30, 2008

Kunden - Bindung - Betreuung - Markenkleben

Als Tante Emma noch ihren kleinen Laden betrieb, kannte sie nicht nur alle ihre Kunden, nein sie wusste auch um deren Sorgen, Wünsche und Sehnsüchte. Tante Emmas Kunden waren für Tante Emma "gläsern". Zu Tante Emma ging man nicht nur wegen der frischen Eier - ob die von glücklichen Hühnern waren, war auch Tante Emma unbekannt - auch wegen des Schwatzes über die aktuellen Neuigkeiten aus dem Kietz "Was denn? Die Obermüllan hat`s nu mit dem jungschen Reterich von links unten?".
Nun, in den 60-ern wurde ja die urige Tante Emma im Osten vom KONSUM abgelöst, der Schwatz wurde weiter gemacht, wenn mal weniger Kundschaft da war. Damit das aber nicht zu oft geschah und die HO nicht all zu viele frischen Eier -nun von ebenfalls in sozialistischen Legebetrieben rackernden Hühnern- unter das frische Eier liebende Volk bringen mochte, erfand man mit kollektivem Gemeinschaftssinn die KONSUM-Marke mit Sammelheft und fortan bekam der KONSUM-Kunde neben Eiern, Schwatz und Kassenbon auch noch Marken zum Kleben in eben dieses Heft. Geboren ward somit ein neuer ostdeutscher "Volksport" nichtolympischer Anerkennung - das KONSUM-Markenkleben. Diese ausserolympische Shoppingdisziplin lebte, solange der ostdeutsche KONSUM lebte. Verschwunden ist der KONSUM aber die Shoppingdisziplin offenbar nicht, doch davon demnächst etwas mehr....

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