Dienstag, Juli 15, 2008

the same procedure as every month (II)

Der Monat hat noch nicht ganz begonnen, da ist schon wieder kaum noch Geld übrig. Dabei ist der Aufschwung doch nun auch bei uns angekommen, sagt unsere Kanzlerin. Ist er auch, nur verstehen wir das offenbar nicht so, wie sie es meint.
Für 6 Nasen an der Zahl bekommen sie etwas über 1400 Euro im Monat inklusive Kindergeld. Das klingt erst einmal viel. Da wir in einer kinderfreundlichen Stadt leben (hey, schliesslich hat der brandenburgische Landesfürst unser Städtchen in 2007 höchst persönlich dafür gerühmt) sollten auch Kinder aus sozial schwächeren Familien hier die gute Chancen haben. Rechnerisch sieht das dann so in etwa aus: Für die 4 Zwerge kostet die Kinderbetreuung (pro Monat und Zwerg) etwa 60 Euro plus (je Zwerg) 35 Euronen an Essensgeld, also 140 Euronen zusammen plus 240 Euronen macht insgesamt 380 Euronen. Das sind schlicht 27% des gesamten Budgets, also etwas mehr als ein Viertel, nur um am gesellschaftlichen (Vorschul-) Bildungsgeschehen teilnehmen zu dürfen. Hinzu kommen dann noch diverse Aufwendungen für:
  • Kleidung (wer will schon nackt in Kindergarten / Schule gehen?)
  • Lernmittel (Bücher, Hefte, Mal- und Turnzeug)
  • individuelle kulturelle und sportliche Förderung
die von diesen Geldern noch nicht bestritten wurden. 27% des monatlichen Budgets geben sozial schwache Familien also aus, wenn sie ihrem Nachwuchs ein Erscheinen im deutschen (Vorschul-) Bildungssystem ermöglichen. Die aktive Teilnahme daran verlangt dann noch ein wenig mehr an finanziellem Aufwand.
Zum Vergleich: lt. Bundesfinanzministerium sind 4,8% der Haushaltsausgaben unseres Landes für den Bereich Bildungswesen, Wissenschaft, Forschung etc [also Zukunftssicherung] vorgesehen. Das heisst, die von vorwiegend staatlichen Transferleistungen lebende soziale Gruppe muss 5,6 mal ein Mehr an finanziellen Lasten tragen, als der Bund, wenn es um die Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft geht. So das Verhältnis in einer kinderfreundlichen (also wohl durchaus zukunftsorientierten) Kommune. Wie sieht es dann erst in anderen Kommunen aus? Der Aufschwung ist angekommen, die Zukunftischerung in Deutschland hat begonnen. Nur wo führt der Weg hin? Und zu wessen Lasten? Wer sichert die Zukunft wirklich?

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