Samstag, Oktober 04, 2008

Durch konsequentes Sparen schaffen wir höhere Qualität - Mach mit!

Eigentlich geht es denen doch gut: Die brauchen weder Chinesisch noch Hindi zu lernen, auch den täglichen Arbeitsweg bis Kalkutta oder Shanghai können sie sich sparen - aber und das ist das besonders reizvolle an der ganzen Sache: Wir zahlen Löhne, die weit über dem liegen, was man dort für die gleiche Arbeit zahlen würde. Da ist also noch richtiges Sparpotential drin - also fangen wir am Besten gleich damit an.
Zuerst einmal, sparen wir uns den Luxus, unsere Mitarbeiter für die neuen Aufgaben zu schulen. Ist doch das Problem der Heinisch, wie sie mit der neuen Technik klar kommt - schliesslich, siehe Eingangs, wir sparen ihr das Lernen neuer Sprachen, sie kann weiterhin alles in Deutsch und das ist ja wohl ihre Muttersprache. Wenn sie es dann nicht versteht, was geht es uns an?
Dann geht es eiligen Schrittes beim Sparen weiter. Wenn wir sparen -Geiz ist doch so schön geil- sparen wir es uns, eine verläßliche Schichtplanung für unsere Mitarbeiter zu erstellen. Sie haben es doch nicht weit bis zur Arbeit: keine 6 oder 8 Stunden täglich im Flieger, nein, mit dem eigenen PkW können sie sogar zur Arbeit kommen. Mit einem eigenen! Wir als Manager können uns den eigenen PkW nicht einmal leisten - wir müssen einen auf Firmenkosten wöchentlich leihen. Schichtwünsche? Wenn die Müllern am Abend zur Elternversammlung will - ist das unser Problem? Haben wir etwa die Gören in die Welt gesetzt?
Das war aber noch nicht genug. Jetzt legen wir noch einen richtig drauf: Wir setzen einmal die Gehälter der faulen Produktionsarbeiter herunter. 760 Euro Netto im Monat bekommt der Lehmann - 760 Euro Netto, also auf die Hand! Ja soviel bekommt ein armer Unsereins nicht mal an einem Tag - die haben wir da gerade mal nur Brutto!
Ja, wenn da keine Qualität in der Produktion kommt - dann, ja dann, verlegen wir die eben doch nach Kalkutta oder Shanghai. Da kann die Heinisch mal sehen wie sie mit Deutsch weiter kommt, die lassen wir gleich hier und die Müllern mit, braucht sowieso immer eine verlässliche Planung, die weiss doch eh nicht wie wenige Flieger in der Woche von Kalkutta nach Deutschland Nonstop gehen. Was macht die dann erst mit ihren Elternversammlungstick? Na und der Lehmann erst einmal: Wenn der den Lohn der indischen Mitarbeiter sodann bekommt, gar nicht erst auszudenken.
Also, ist doch wohl klar bewiesen, wie nett und qualitativ hochwertig wir sind. Also Bitte: immer schön recht freundlich zum Kunden, immer schön korrekt -so wie wir es ja auch sind- , der Kunde steht als Mensch im Mittelpunkt - wie es auch unsere Mitarbeiter bei uns stehen- Qualität eben im Kundenservice- wir sparen sie uns schon zusammen
<cut>Ja unter Qualitäts- und saubere Arbeit versteht eben jeder etwas anderes. Auch darüber, wie Mitarbeiter zu hoher Qualität befähigt und motiviert werden, lässt sich wohl trefflich streiten. Aber Sklavenhaltung hat mit zeitgemäßer Mitarbeiterführung sicherlich wenig zu tun.</cut>

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