Freitag, Juli 17, 2009

Ein Amt, zwei Mitarbeiter und der Bürger ist der Dumme

Bisher dachte ich immer, die Aufgabe eines "Amtes für Grundsicherung" (oder auch HartzIV-Amt genannt), sei es auch, arbeitswillige und arbeitsfähige junge in sozialversicherungspflichtige Erwerbsarbeit zu bringen oder dabei zu unterstützen. Offenbar aber weit gefehlt.
Eine Mitarbeiterin des örtlichen "Amt für Grundsicherung" hat mich in den vergangenen Tagen eines anderen belehrt: Sie versteht Ihre Aufgabe offenbar vor allem darin, junge Menschen, die eine sozialversicherungspflichtige Erwerbsarbeit aufnehmen wollen, möglichst lange und nachhaltig daran zu hindern, dies mit Erfolg zu tun. Wäre das "Amt für Grundsicherung" ein Unternehmen in der freien Wirtschaft, würde ich sagen: Kundenbindung effektiv gestaltet. Schliesslich ist es doch so: jeder Hartz IV - Empfänger sichert den dort beschäftigten (und auf Kosten der Allgemeinheit, sprich des deutschen Steuerzahlers monatlich entlohnten) Angestellten, den sozialversicherungspflichtigen Erwerbsarbeits-Platz. Mehr HartzIV - Empfänger = sicherer eigener Arbeitsplatz.
Hartz IV hat sich in unserem sozialen System etabliert. Gäbe es kein Hartz IV mehr, sondern ein bedingungsloses Grundeinkommen zum Beispiel, könnten sich (nicht nur) junge Menschen hierzulande freier und verantwortungsvoller entscheiden und sich selbst zum Nutzen unserer Gemeinschaft in diese Gemeinschaft besser einbringen. Auch ein "Amt für Grundsicherung" würde in dieser Form überflüssig. Logisch also, warum man politisch in Deutschland kein bGE will, man will ja eigentlich schon nicht einmal junge Menschen in sozialversicherungspflichtiger Erwerbsarbeit. Hartz IV in seiner gegenwärtig praktizierten Form, hat offenbar auch politisch System: In Abhängigkeit vom Wohlwollen weniger (mit von der Allgemeinheit bezahlter) privilegierter Gesellschaftsmitglieder gehaltene (junge) Menschen sind auch politisch besser steuerbar, egal wohin die Reise gehen soll. Arbeit, wie wir sie heute in Deutschland definieren, wird offenbar immer mehr auch ein Privileg für Wenige. Im Umkehrschluss, wird aber auch im allgemeinen für dumm gehalten, wer so blöd ist und noch arbeitet, wo ja das Amt auch Geld zahlt, das so viel bald ist , wie der Lohn für die geleistete Arbeit. Mit dem Unterschied: Für die Knete von Amt muss ich früh nicht aufstehen, da kann ich auch faul im Bett bleiben. Genau den Eindruck hinterliess die Mitarbeiterin des "Amt für Grundsicherung" nicht nur bei mir, die uns bescheinigte, dass ein 25-Jähriger, der in eigener Initiative eine sozialversicherungspflichtige Erwerbsarbeit erfolgreich suchte, fand und aufnahm, auch dann keinen Anspruch auf Leistungen der Unterstützung hätte (Fahrkostenübernahme, Umzugskostenübernahme etc), wenn er die schriftliche Genehmigung seines zuständigen Betreuers des selbigen Amtes dazu hatte. Vor dem Gesetz und Amt sind eben alle gleich, bis auf die, die nicht gleich sind.

Kommentar veröffentlichen