Freitag, Juli 16, 2010

Demnächst im #Aldi #Sonderangebot: Der deutsche Reispass und Personalausweis

"Sichern Sie sich Ihre persönliche, amtliche Email Adresse." steht gross auf jener Seite zu lesen, deren Betreiber mich eingeladen haben, am Bewerbungsverfahren für eine Lizenzagentur teilzunehmen .
"amtliche" eMail Adresse - was ist amtlich? Amtlich ist doch etwas dann, wenn es von einem Amt kommt. Es ist also in gewisser Weise hoheitlich bestimmt. Amtlich herausgegeben ist zum Beispiel mein Reisepass und mein Personalausweis. Beide legitimieren mich, weisen mich aus, sollen mich zweifelsfrei identifizieren können im normalen Behörden~ und Büroalltag Deutschlands. Gut ist, dass das auch künftig eine eMailadresse tun können soll. Soweit so gut.
Was ich von dem von der Bundesregierung hier vorgeschlagenen Projekt generell halte ist kein Geheimnis. Ich halte es schlichtweg für völlig daneben.
  • Zum Ersten gibt hier der Staat hoheitliche Befugnisse aus der Hand. Amtliche eMailadressen - wie jedes amtliche Dokument sollten und dürfen nur von Ämtern ausgestellt werden und nicht von Lizenznehmern aus der freien Wirtschaft.Wird dies dennoch so getan, dann sind diese eMailadressen maximal offiziell, aber keines Falles amtlich.
  • Zum Zweiten was hat mein Versicherungsagent mit edipost zu tun? Wieso erhalte ich von diesem eine amtliche eMailadresse? Dieser Eindruck entsteht bei mir zumindest beim Ausfüllen des Bewerbungsformulares. Dort kann unter "Branche" der Herkunft des Lizenznehmers ausgewählt werden aus: "Versicherungsagentur" und "Finanzagentur" und "sonstiges" Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.
  • Zum Dritten bemüht sich Deutschland seinen Bürgern den elektronischen Personalausweis schmackhaft zu machen. Warum dann noch eine amtliche eMailadresse? Wenn auf diesem Personalausweis biometrische Merkmale meiner Person hinterlegt sein sollen -was am Ende keine zusätzliche Sicherheit bringt und nur eine neue Datenflut verursacht- warum ist es dann nicht auch möglich, mit dieser Karte eine elektronische Signatur zu generieren, die ich mit jeder beliebigen eMailadresse im amtlichen elektronischen Schriftverkehr verwenden kann? Aber beide Projekte und Prozesse laufen ja nebeneinander und wir sammel staatlich vor allem Daten unserer Bürger.... Der deutsche Staat ein Datenmessie
Mein Fazit von der Geschicht: Ich vertraue edipost nicht. Auch dem Geschäftsmodell der Provisionsauszahlung an den Empfänger einer mit edipost gesendeten Nachricht [warum dies eigentlich notwendig ist erschliesst sich mir nicht]. Als Entschädigung für das Papier, das für den Ausdruck gebraucht wird? Wofür ist hier dieser Medienbruch zwingend?
Der deutsche Staat spart, am Ende sich selbst ein. In drei Jahren vielleicht bekomme ich ein Aldi-Prospekt am Wochenende in dem ich lesen werde: "Sonderposten: Nur in dieser Woche! Deutsche Reispässe und Personalausweise -- statt 79€ nur 8,50€ "

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