Sonntag, Mai 27, 2012

"... Ihr Gehalt bekommen Sie nicht von mir...." Teil2

Früher war alles so einfach. Damals, als Tante Emma ihren Laden noch um die Ecke hatte, gab es auch kein Widerrufsrecht. Es war ganz schlicht auch nicht nötig ein solches Widerrufsrecht. Als Kunde konnte man, bevor, man eine Ware erwarb, die selbige sprichwörtlich b-e-g-r-e-i-f-e-n.
In Zeiten des Onlinehandels kann man als Kunde genau das nicht. Daher ist es ein Recht des Kunden einen abgeschlossenen Warenkauf zu widerrufen. Aber ist es damit automatisch auch Pflicht eines Onlinehändlers, einen Widerruf zu akzeptieren?
Wir erwarben (um zu verschenken) einen Herrenrasierer von Braun. Zuvor druckte ich alle in Frage kommenden Angebote des von mir ausgewählten Onlinehändlers aus und gab sie dem zu beschenkenden, einem jungendlichen Herren im zarten Alter von nur 76 Lenzen,  zur Auswahl, also "Entscheidungsfindung". Der daraufhin folgende Bestellvorgang in Shop lief, im übrigen wie immer bei getgoods, schnell und komplikationslos ab. Die Ware ist in einem aus meiner Sicht mehr als angemessenen Zeitraum geliefert worden. Es schien alles perfekt.
Bei der Übergabe des erworbenen Geschenks machte ich ( heute muss ich feststelle leider ) keine Aufnahmen vom Geschenk und seinem Zustand sowie der Prozedure der Schenkung. Nach wie vor halte ich eine solche Art von "Beweissicherung" für unangemessen, aber vielleicht wäre sie dennoch hilfreich.
Das Geschenk Herrenrasierer war schnell ausgepackt und erklärt. Es wunderte mich auch nicht, dass die Akkus des Gerätes nicht aufgeladen werden brauchten und der Rasierer sofort über voll aufgeladene Akkus verfügte. Schlicht und ergreifend machte ich mir darüber keine Gedanken, es war halt so und damit gut.
Nachdem das Gerät eine Woche auf dem Geburtstagstisch gestanden und dann noch einige Tage unbenutzt neben dem Nachttisch des Herrn herumstaubte, fragte ich ihn, wie er mit dem Gerät zurecht komme. Seine Antwort war kurz und ergreifend: "Gar nicht. Den nehme ich nicht. Der ist mir zu gross." Gut, es war ja auch kein BeBo-Sher, den den gibt es seit etlichen Jahren wohl nicht mehr.
Da ich diese Entscheidung nicht als tragisch ansah und wir noch in der 14 tägigen Widerrufsfrist lagen, packte ich das Gerät wieder ein, meldete den Widerruf schriftlich per e-Mail an  und gab das Gerät zurück. Vielleicht war es auch hier wieder ein Fehler, diesen Vorgang nicht in Bild oder Video festgehalten zu haben, um den Zustand des Gerätes zu dokumentieren. Ich hielt und halte es auch nicht für notwendig, da ich das Gerät für einwandfrei und unbenutzt befand.
Kurze Zeit nachdem wir das Gerät zurück gegeben hatten, erhielten wir per e-e-Mail die Antwort des Händlers:
Ablehnungsbegeründung des Widerrufes der Bestelliung
Ablehnungsbegeründung des Widerrufes der Bestelliung
Da ich mir Gebrauchspuren nicht erklären konnte und mir Gebrauchspuren, welche zu einem 100% Prozentigem Wertersatz führen müssen nicht unklar waren, forderten wir die Belegbilder an. Da die Retournierte Ware uns bereits am folgenden Tage erreicht, machte ich nun Fotos von einem Unboxing. Dabei gelang es mir jedoch nicht, Gebrauchspuren am Gerät fotografisch festzustellen und zu halten. Als nun die gewünschten Fotos per Mail eintrafen, konnte ich in der Tat dort auch drei kleine Reste von offenbarem Schnittgut ersehen. Als ich daraufhin den Scherkopf demontierte und auf einer festen Unterlage mehrfach heftig ausklopfte, befanden sich auch auf der Unterlage einige wenige Reste von Schergut. Eine Ingebrauchnahme des Gerätes war damit also wahrlich nicht auszuschliessen. Ob allerdings eine Inbetriebnahme in Form einer Rasur damit verbunden war und somit ein hygienische Unbedenklichkeit zwingend besteht, ist aus meiner Sicht damit aber noch nicht zweifelsfrei erwiesen. Auch hat der Onlinehändler leider bisher meiner Bitte nach Nutzung der Belegfotos für diesen BlogPost nicht entsprochen. Eine Antwort des Händlers hierzu ist noch immer offen. Es ist aber in der Sache eigentlich auch vollkommen egal.
Die eigentliche Frage ist bereits hier gestellt worden:
"Wenn wir als Händler nun dem Kunden einen fristgerechten Widerruf ( aus welchen Beweggründen auch immer ) verweigern, wie wird der Kunde dann wohl reagieren ?"

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