Freitag, April 05, 2013

8 Euro und 50 Cent mindestens in der Stunde oder Wie billig will die SPD uns kaufen?

Es hört sich gut an und liest sich ja zuerst durchaus gut: "SPD fordert 8,50 Euro Mindestlohn"
Von diesem Lohn ist so manch einer in unserer Region einige Meilen weit entfernt. Nicht weil der Lohn darüber, sondern weil er weit darunter liegt. Und so manch einer war stolz zum Beginn diesen Jahres, weil er 0,21 Euro mehr bekam die Stunde: statt 6,46 nun satte 6,67. Da wirken selbst die in vielen sozialen Medien gescholtenen 7,76 Euro, die die SPD wohl zahlt, fast schon wie ein  super geiler Spitzenlohn.
Dennoch 8,50 Euro je Stunde - das klingt doch richtig gut, oder? Ist es aber bei weitem nicht. 8,50 Euro bei einer 40-Stunden Arbeitswoche unterstellt (cool son Vertrag, 8 Std jeden Tag! 8 Std bezahlt bei Krankheit, bei Urlaub... In der Regel sind es doch maximal 30 Std je Woche oder gar darunter...), das macht dann mal im Monat etwa 1473,33 Euro Brutto - versteht sich. Wow - geil, sagt sich da immer noch so manch einer. Ist es aber dennoch nicht. Denn ca 21% -also schlappe 309,40 Euro gehen an Sozialabgaben davon weg. Bleiben vor Steuern noch 1163,93 Euro im Monat übrig, summa sumarum dann also knapp 1100 Euro im Monat als Salär aufs Konto für 40 Std die Woche in jeder Woche des Monats arbeiten. Das sichert uns aber die Existenz, ohne Hartz IV Aufstockung (inkl. Sanktionierungsoptionen) oder Wohngeld, oder?
Ist ein solcher "Mindestlohn" dann auch das wert, was er wert sein sollte: Die Basis der Sicherung einer Existenz ohne weitere staatliche Hilfen und Zuschüsse?
Von diesen knapp 1100 Euro müssten dann bezahlt werden: Miete, Strom, Telekommunikation, Fahrt von und zur Arbeit, Essen und Verpflegung, Kleidung usw. Wie bitte sollte z.B. eine allein erziehende Mutter oder ein allein erziehender Vater das davon bewältigen?
Ein die Existenz sichernder Mindestlohn, so wurde von deutschen Wohlfahrtverbänden berechnet, müsste derzeit bei etwa 10,71 Euro je Stunde liegen. Unsere Wohlfahrtspartei SPD liegt also sogar noch darunter, selbst mit Ihrer politischen Forderung im Wahl-Krampf-Jahr 2013!
Zumal auf einen solchen Mindestlohn die Politik recht wenig Einfluß haben dürfte, auch künftig. Denn Löhne und Gehälter sollen frei aushandelbar sein zwischen den Tarifparteien. Was ist Dir meine Arbeit wert? Was liebes Unternehmen bin ich Dir wert? Das sollten die Fragen sein. Nicht, das hier musst Du mir zahlen, weil es die Politik so will!
Diese Fragen, als Forderung kann nur stellen, wer sich dessen auch bewußt ist. Es kann nur diese Forderungen so aufmachen, wer auch die Sicherheit hat, dann seine Existenz nicht gefährden zu müssen, wenn der andere NEIN! sagt. Hier sollte die Politik eine Basis schaffen. 
Zum weiteren ist es sicherlich mehr als legitim, wenn wir ein Minimum an Lohn definieren, dann sollten wir auch im gleichen Zuge ein Maximum an Lohn benennen. Wo aber wird das Maximum benannt? Sind es 10.000 Euro im Monat? 100.000 oder gar 1.000.000 Euro im Monat? Oder was sonst ist das Maximum?
Die andere spannende Frage ist und bleibt natürlich: Wer würde überhaupt einen solchen Mindestlohn von 8,50 Euro zahlen? Und wenn, zu welchen weiteren Konditionen, Bedingungen etc? Welcher Kuhhandel wäre hier und wird hier von Nöten sein?
Unspektakulär und unumstößliches allseits bekanntes Faktum spätestens seit dem 17.03.1883 ist doch: "die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte einfache Tatsache, daß die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können".¹ Dazu jedoch bedarf es einer gesicherten Existenz - durch ein gesichertes finanzielles existenzielles Minimum. Ein bedingungsloses Grundeinkommen - wäre so etwas und es bedürfte dann keines Mindestlohnes zwingend.

Update 06.04.2013:
natürlich kennzeichne ich das oben angeführte Zitat gern nicht nur als Link. Gern kann auch ein jeder Internetausdrucker eine Bibliothek (das sind Einrichtungen in denen u.a. das preinternete  geschriebene Wort in gedruckter Form auch vorzufinden ist) besuchen und folgendes Werk dort suchen :

¹ siehe: "Karl Marx/Friedrich Engels - Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 19, 4. Auflage 1973, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1962, Berlin/DDR. S. 335-339"

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