Montag, April 08, 2013

Weniger HABEN und mehr SOLL - Online verkaufen beim Primus Amazon

Als Kunde kann man Amazon durchaus schon beinahe lieben. Das virtuelle Warenhaus ist schon recht perfekt. Wo aber ein Kunde kaufen soll, muss ein anderer (ein Händler zumeist) dann verkaufen. Sonst funktioniert das ganze irgendwie denn doch nicht.
Da selbst ein Primus wie Amazon nicht alle angebotenen Waren allein beschaffen und deren Verkauf abwickeln kann, gibt es den AmazonMarketplace. Hier haben Händler (zumeist gewerbliche Anbieter) die Möglichkeit eigene Waren anzubieten. Auch hier im Vergleich zuerst einmal die Dinge, die ich auf der HABEN-Seite für den Marktplatz Amazon sehe:

Kundenfrequenz -Traffic
Allein der Bekanntheitsgrad (sichtbar z.B. im Alexa-Ranking von Amazon) des Marktplatzes Amazon sichert dem dort verkaufenden Händler, eine gute bis sehr gute Verkaufschancen für seine Waren zu. Hinzu kommt in jedem Fall, dass Amazon selbst auch ein fast schon hervorragendes Partnerprogramm betreibt, mit welchem es anderen online möglich ist, "Vermittlungsprovisionen" zu erhalten, wenn sie über einen Referenzlink eine Ware aus dem Amazonangebot online verkaufen. Das steigert den Bekanntheitsgrad des Marktplatzes und auch den des dort angebotenen Warensortiments deutlich. Einen solchen Bekanntheitsgrad selbst für seinen Onlineshop zu besitzen ist sicher der Traum eines jeden Händlers - aber dahin muß man auch erst einmal kommen. 

Standartisierte Verkaufsabwicklung
Als Händler auf Amazon muß ich mich erheblich weniger um die Verkaufsabwicklung kümmern, als in einem eigenen Shop. Wurde einer meiner Artikel auf Amazon verkauft, bekomme ich per Mail (oder auch RSS-Feed  zum Import in meine eigene Warenwirtschaft) alle relevanten Daten, damit ich den Versand der Ware an den Käufer unverzüglich veranlassen kann.
Auch das Einstellen von neuen Waren auf Amazon ist recht einfach gestaltet, da Amazon eine stark standartisierte Angebotsdarstellung besitzt. Im Prinzip reicht es für den Händler aus, die ASIN (interne Amazon-Artikelnummer) für seinen Artikel zu kennen und schon ist er in der Lage diesen Artikel auf Amazon zu verkaufen. Eine eigene Artikelbeschreibung, Artikelfotos usw sind hier oftmals nicht notwendig, da diese Angaben im Datensatz der ASIN bereits im Amazonangebot hinterlegt sind. Schon innerhalb von etwa 30 Minuten sind bei Amazon durch Händler eingestellte Waren im Sortiment sichtbar und stehen somit auch zum Verkauf.
Durch einen Verkauf auf Amazon ist es dem Händler somit möglich, Ware mit einer sehr kurzen Lagerzeit in seinem Lager zu haben. 


Wo Licht ist, da ist zumeist dann auch Schatten zu finden. Und so sehe ich auf Amazon für Händler (egal ob gewerblich oder privat) die folgenden SOLL-Seiten:

Preisparität
Amazon zwingt in seinen Teilnahmebedingungen auf dem Marketplace tätige Händler zu einer Preisparität. Darunter versteht Amazon, dass der Händler einen auf Amazon angebotenen Artikel nirgendwo preiswerter anbieten darf. Dazu zählen neben eBay auch der eigene (so vorhanden) Shop des Händlers. Mit andren Worten, macht der Händler in seinem Shop eine Kampagne wie z.B. einen Deal, dann muß nach Amazon-Regelung der gleiche Artikel des Händlers entweder in dieser Zeit bei Amazon zum Handel ausgesetzt oder noch preiswerter als im Deal angeboten werden. 
Generell zu beachten als Händler ist hierbei auch, dass ich für jeden  auf Amazonmarketplace verkauften Artikel an Amazon eine Gebühr zahle (Provision). Diese Provision schmälert natürlich meinen hier erzielten Gewinn und stellt einen zu beachtenden Kostenfaktor dar, den ich in meinem eigenen Webshop nicht habe.

Standartisierte Angebotsdarstellung
Standards sind ja durchaus gut und vereinfachen die Verkaufsabwicklung ungemein. Jedoch ist es dem Händler auf Amazon nicht möglich, innerhalb des ASIN-Standards eine Artikelbeschreibung so zu individualisieren oder auch (wenn bei Amazon falsch vorhanden) zu korrigieren, dass sie auf seinen Artikel passt. Möglich wäre das in jedem Fall über eine neue ASIN zum individuellen Angebot. Hierfür ist jedoch immer eine eigene EAN notwendig, die jedoch in der Praxis dann oftmals nicht vorliegt (vor allem dann nicht, wenn ich zu einem Artikel, sagen wir Kaffeemaschine, gleich noch Filtertüten und ein Päckchen Kaffee mit anbiete. Stelle ich diese Zusätze im ASIN Datensatz mit dar, gilt dies auch für die Angebote meiner Wettbewerber). Verärgerte Käufer sind hier dann schon einmal vorprogrammiert.
Zum weiteren muß man hier auch bedenken: bin ich als Händler derjenige, der einen ASIN-Datensatz quasi neu anlegt und bei der Anlage den Datensatz mit eigenen Beschreibungen, Bildern usw füllt, dann stelle ich all diese Dinge gleichzeitig auch Amazon und meinen Wettbewerbern zur Nutzung auf Amazon zur Verfügung.

Wenig Einfluß auf das Marketing
Amazon übernimmt das komplette Marketing für die im Marketplace angebotenen Artikel. Das ist durchaus auch von Vorteile, da insbesondere kleine oder private Händler sich hierum dann nicht kümmern müssen. Ich sehe hierin jedoch auch einen gewissen Nachteil. Der Händler auf dem Amazonmarketplace kann nicht frei und selbstbestimmt entscheiden, welchen seiner Artikel er dort wir platziert haben möchte. Einfluß kann der Händler nur auf die Darstellung im Preisranking nehmen. Entweder stehe ich hier mit meinem Artikel oben oder eben nicht.

Marktplatzbetreiber und Händler zugleich
Amazon betreibt nicht nur den Amazonmarketplace sondern ist dort auch selbst als Händler aktiv unterwegs. (Zum Vergleich: eBAY bietet auf eBAY keine Waren an und tritt dort somit nicht als Händler auf). Nicht immer ist ein solcher direkt möglicher Vergleich dann für alle am Handel beteiligten Parteien immer von Vorteil.

Regional- und Lokalshopping nicht möglich
Wie für den auf Amazon einkaufenden Kunden, so ist auch für den hier verkaufenden Händler ein Regional- oder gar Lokalshopping nicht möglich. Amazon setzt hier vollkommen auf einen online Versandhandel und so ist auch der (wie auch immer gestaltete) Hinweis auf ein vorhandenes Ladengeschäft unerwünscht.

Fazit
Marktplätze wie Amazon haben auch im Internet immer zwei Seiten eines Verkaufs. Auf der einen Seite steht der Kunde, auf er anderen der Ware-feilbietende Händler. Das Gold für den einen muss nicht auch automatisch glänzen für den anderen

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