Donnerstag, Juli 04, 2013

(ge)lesen: Einmal Hölle und zurück @jensbrehl

Seit gut 5 Wochen mache ich nun schon hier rum - untätig wie ich finde, weil nicht arbeiten gehen ja Müssiggang ist. Nutz- und sinnlos - Irgendwie asozial eben. 
Das einzige was ich die ganze Zeit über regelmäßig mache: Lesen. Dazu braucht es ja nicht zwingend langanhaltende Konzentration. Was bleibt: der tägliche Mailcheck - hin und wieder ein Blogposting - um die Gedanken raus zu lassen, den Kopf somit etwas frei zu bekommen, die Konzentration dabei zu testen. 
Irgendwann ist mein angeschaffter Vorrat an eBooks fast aufgelesen. Ich suche nach neuen eBooks. Frei zugänglichen, jenseits von Amazon und Co. eBook die eventuell auch mein Problem beschreiben. Und so treffe ich dann bei der Lektüre des Mindletters auf eben dieses Buch: 
Einmal Hölle und zurück – Mein Weg aus dem Burnout in mein neues Leben” von Jens Brehl
Brehl ist Journalist und hatte - so erfahre ich bereits in der Info zum Buch - offenbar ganz ähnliche Probleme, wie ich sie derzeit habe. Das macht mich neugierig. Lektüre zum Thema hatte ich mir zuvor auch andere besorgt: Ratgeber von Psychologen, Fachleuten, wie man auch sagt. Richtig weiter geholfen haben mir diese Bücher nicht wirklich. Weil: sie waren alle allgemein und irgendwie unpersönlich, wenn auch zutreffend geschrieben. Fachbücher eben.

Wenn Du Dir einen Arm brichst, dann sieht jeder den Gips. Beim Schnupfen und Fieber ist jedem anderen klar: Du bist krank. Was aber beim Burnout? Keine Narben, kein Blut aus der offenen Wunde. In den Augen vieler bist Du da nicht krank. Du bist eben faul; du simulierst - eventuell. Wenn es dich noch gut trifft: "Ok - der ist bekloppt Riss inne Schüssel - plemplem". Bekloppt - genau so fühlst du dich auch, vor allem weil Du selbst nicht so richtig sagen kannst, Was verdammt ist hier wirklich los mit mir?

So lese ich die Beschreibung seines Zustandes, den von Brehl, am Anfang seines Weges zur und durch die Hölle Burnout. Prinzipiell sehe ich zu dem, was ich fühle, wie ich mich derzeit fühle keinen Unterschied. Das macht mich neugieriger, denn da kommt diesmal kein Fachgelaber oder irgendwelcher abstrakter Psychoquark. Was da kommt: Ungeschminkte subjektive Sicht auf die Gefühlswelt und dem "wie es dazu gekommen ist" eines selbst vom Burnout betroffenen. Was dabei bei mir entsteht: Du bist damit nicht allein und Da kann man raus kommen: zum Beispiel so. 
Stück für Stück lese ich mich durch.  Eine Stunde - dann zwei Stunden. Mache Pausen dazwischen. Beschäftige mich mit anderen Dingen. Danach wieder zwei Seiten, dann auch mal ein ganzes Kapitel. Eben Stück für Stück.

Arbeiten - Wenn Du arbeitest, nur dann bist du. Also, arbeiten, ohne Rücksicht auf persönliches, auf Freizeit. Freizeit? Sinnlos - denn, wenn Du sein willst, dann musst Du arbeiten. Genau so machte es Brehl - War es bei mir bisher etwa anders? Brehl schafft es mich zu fesseln. Nein, nicht euphorisch zu begeistern, einfach nur zu fesseln. Eben weil sehr subjektiv, persönlich und darum für mich auch authentisch. Glaubhaft eben.

In ein paar Tagen werde ich durch sein mit dem Buch. Brehl kam am Ende seines Weges aus dem Burnout raus. Dauerhaft? Ich kann es nicht sagen, hoffe aber ja.  Was wird sein, wenn ich mit dem Lesen fertig bin? Komme ich dann raus aus meinem Teufelskreis? Wenn ja wie? Schaffe ich es wirklich allein? Was sind meine persönlichen Hebel und Mechanismen? Wie lange werde ich brauchen? Kann ich einen Zeitraum dafür planen? Kann ich wirklich in einigen Tagen schon wieder arbeiten gehen? 
Die endgültigen Antworten kenne ich nicht. Noch nicht. Eines aber kann ich jetzt schon sagen: Das Lesen des Buches hat mir geholfen. Brehl hat mir dabei geholfen, meine Lösungen zu finden. 

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