Donnerstag, August 08, 2013

Schon aufgewacht nach 23 Jahren

Sommer, das ist die Zeit in der es das mehr oder minder bekannte Loch gibt - ein Tief eben für-was-auch-immer. Sommerloch genannt: in den Medien wegen der Ereignisse, im Handel wegen der Umsätze, auf Arbeit wegen der fehlenden Mitarbeiter.  Letztere, also die Mitarbeiter, sind dann wohl alle in diesem "ominösen Loch" abgetaucht und tauchen erst nach etwa 2 Wochen wieder auf, damit andere darin abtauchen können. Gibt es also auch einen Schichtwechsel in diesem Sommerloch?
In diesem Sommerloch auf Jahre verschwundene jedoch scheinen sich recht rege auszutauschen. Für bestimmte Medien also kann es ein solches Loch anscheinend dann doch nicht so wirklich geben. Für den Tratsch zum Beispiel ist ja immer genug Stoff vorhanden. Dieser Tratsch überraschte mich in diesem Jahr an der familiären Seniorenkaffeetafel mit Themen wie: "Stell dir mal vor, in 20 Jahren gibt es keine Zeitung mehr. Das ham se heut im Radio gesagt." Oder noch schlimmer: "Unser Bahnhof hat ja nicht einmal mehr eine Telefonnummer! Da kann man ja gar nicht mehr anrufen und fragen ob man eine Fahrkarte kaufen kann..." SCHRECKLICH!
Eigentlich wollte ich sagen, denn es lag mir förmlich auf der Zunge: "Guten Morgen! Der Krieg ist vorbei. Den Führer gibt es auch seit 68 Jahren nicht mehr." Ich lies es sein und sagte statt dessen: "Na und? Seit 20 Jahren haben deutsche Zeitungsverlage gepennt und sich nicht wirklich weiter entwickelt. Was soll das Altpapier für knapp 20 Euro im monatlichen Abopreis dann auch noch? Informationen, die ich haben will und die mich interessieren bekomme ich seit über 10 Jahren aus der gedruckten Zeitung schon nicht mehr." Allerdings die derzeitigen digitalen Ergüsse der regionalen Tageszeitung würde ich auch nicht abonnieren. Weil "Copy&Paste" von DPA, Reuter und Co will ich nicht bezahlen. Und für den mageren Anteil an regionalem Content ist mir der Preis einfach zu hoch.
Aber der Bahnhof, wie schrecklich: Kein Telefon mehr! Die Herrschaften fuhren das letzte mal Bahn vor über 3 oder 4 Jahren. 3 mal im Jahr verlassen sie den Ort, um zum Arzttermin 30 Kilometer Südwärts zu kommen. Sie lassen sich dann dahin mit dem Auto fahren. Einer in der Familie macht das Taxi dann schon. Es ist doch bequemer und außerdem direkt von Tür zu Tür in dann noch kürzerer Zeit. Fahrplanauskünfte und auch Fahrkarten gibt es sehr wohl noch auf dem Bahnhof: Am Automaten. Dessen Servicequalität will lieber nicht bewerten, aber alles notwendige ist doch noch da auf dem Bahnhof. Und eines passiert auch noch immer: Jeder hier planmäßig durchfahrende Personenzug hält auf unserem Bahnhof. Sogar der Bahnsteig ist noch überdacht, denn die Bahn hatte offenbar noch nicht das Geld auch die Überdachung abzureißen. Wozu dann ein Telefon am oder auf dem Bahnhof und für wen?
Verdutzte Gesichter. Ja auch in der tiefsten ostbrandenburgischen Provinz so knapp 1000 Meter vor West-Polen, also wirklich KVP (Kurz-Vor-Polen), ist was passiert in den Jahren. Auch wenn es so mancher stahlstädtischer Arbeiterschließwohnfachbewohner erst heute im Jahre 2013 merkt. Nur gut, dass die im Radio dann dieser Tage schon mal sagten: "In 20 Jahren wird es keine Zeitung mehr geben" Man ist immerhin nun schon einmal vorgewarnt

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