Sonntag, Dezember 08, 2013

(ge)lesen: Das Recht auf Faulheit @Paul Lafargue

Hätten wir heute ein Recht auf Arbeit, so wäre jedes "Arbeitsverhältnis" bei uns letztlich einklagbar. Wir haben aber genau dieses Recht nicht, statt dessen sehr wohl die "Pflicht zur Arbeit". Kommen wir dieser Pflicht nicht nach, so droht uns der soziale Abstieg. Nur Arbeit, wie wir sie seit Jahrhunderten definieren, gibt es immer weniger: Lohnarbeit für einen "Arbeitgeber", welcher uns die Möglichkeit zur Schaffung neuer Produkte und Dienstleistungen oder einfach deren Erbringung gegen Lohnzahlung ermöglicht. Diese Arbeit wird aber heute zunehmend von Maschinen erledigt. 
Das Recht auf Arbeit, war eine der proletarischen Forderungen der Revolution von 1848. Lafargue schrieb dieses Buch 1883 (es ist hier eine Neuauflage), als Widerlegung eben dieses Rechtes auf Arbeit. Seine Schlussfolgerungen finden sich im realen Leben des Jahres 2013 durchaus bestätigt. 
"In der Bude aber wird man zuerst die Wahlposse aufführen. Vor Wählern mit Holzschädeln und Eselsohren werden Bourgeois-Kandidaten, mit Stroh bekleidet, den politischen Freiheitstanz aufführen, indem sie sich vorne und hinten mit Ihren Wahlprogrammen voller Versprechungen beschmieren, mit Tränen in den Augen von den Leiden des Volkes und mit klangvoller Stimme vom Ruhm Frankreichs reden. Worauf die Köpfe der Wähler im Chor ein kräftiges Iah! Iah! Brüllen."
Es muss ja nicht unbedingt im Detail das Frankreich des Jahres 1883 sein, das wir hier und heute in Europa erleben. Aber was ist heute und hier anders an den zahlreichen Possen der politischen Prominenz? 
Auch im Sinne unserer Arbeitsdefinition ( Es war, so erinnert Lafargue, das Proletariat welches den Slogan: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" schuf und nicht die Kirche ) bräuchten wir eher ein "Recht auf Faulheit". Nur mit diesem Recht, so bereits damals Lafargue, könnten wir unser Elend beenden.
"Wie Christus, die leidende Verkörperung der Sklaverei des Altertums, erklimmt unser Proletariat, Männer, Frauen und Kinder, seit einem Jahrhundert den harten Kalvarienberg der Leiden; seit einem Jahrhundert bricht Zwangsarbeit ihre Knochen, martert ihr Fleisch, zerrüttet ihre Nerven; seit einem Jahrhundert quält Hunger ihren Magen und verdummt ihr Gehirn ...

O Faulheit, erbarme du dich des unendlichen Elends!

O Faulheit, Mutter der Kunst und der edlen Tugenden, sei du der Balsam für die Schmerzen der Menschheit!"

Wann nun endlich, führen wir also dieses Recht auf Faulheit bei uns ein, oder fordern es zumindest ein?

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