Sonntag, September 21, 2014

Arbeitsplätze schaffen

Manchmal fällt ja so ein Euro Cent-weise. So bemerkte meine Tochter heute, dass ihre Mutter und ich seit ca 10 Jahren nicht einen richtigen gemeinsamen Urlaub gemacht haben und ein solcher aber mal unbedingt notwendig sei. Genau also seit jenem Zeitpunkt, als ich mich entschlossen hatte, meine Selbständigkeit nicht mehr im Hauptberuf auszuüben. Ein wesentliches Argument auch meiner Prinzessin war damals, das ich ja als Selbständiger zu wenig Zeit für die Familie hätte, in der Verfügung seiner Zeit wäre er wesentlich flexibler und außerdem sei ein Angestellter auch noch wesentlich besser abgesichert.
Besonders das letzte Argument kann in Deutschland nicht so einfach unter den Tisch geredet werden, gilt doch bei uns die Mentalität: "nur nicht selbst aktiv werden und selbst entscheiden, aber hinterher schon immer alles besser gewusst zu haben" irgendwie als absolut heilig. Zum anderen arbeiten ja Angestellte nicht von zu Hause aus, sondern aus einem Büro, wo sie dem Chef bei dessen eintreffen freundlich zuwinken dürfen: "Hallo Chef, sieh doch einmal, wie schön ich anwesend in die Bürolandschaft hier passe." Arbeiten aus dem Homeoffice? Die wohl noch immer grausamste Idee für viele Chefs und auch Angestellte selbst, weil: all gegenwärtige Kontrolle ist passé und Selbstorganisation und selbst entscheiden sind gefragt.
Selbständig bin ich auch heute nicht, denn das Unternehmen, das ich leite gehört mir nicht, aber zumindest Chef. Permanente Arbeit meiner Mitarbeiter aus dem Büro? Ähm, haben die kein Zuhause, von wo aus sie arbeiten könnten? Warum soll ich Büros finanzieren, wenn die Arbeit auch von Daheim gemacht werden kann? Warum soll ich überhaupt Mitarbeiter einstellen, also landläufig gesagt Arbeitsplätze schaffen? Ist das eventuell eine meiner Aufgaben?

Wie schon gesagt, der Arbeitsplatz eines Mitarbeiter kann durchaus auch zu Hause beim Mitarbeiter sein, dafür im Unternehmen zwingend Geld auszugeben und Räume anzumieten halte ich für wenig effizient. Eher passe ich die Prozesse im Unternehmen so an, dass die Mitarbeiter nicht täglich zwingend ins Büro kommen müssen, um produktiv sein zu können.
Wenn ich die Mitarbeiter aber nicht zwingend täglich im Unternehmen sehen will, brauche die Mitarbeiter dann überhaupt? Darum geht es glaub ich nicht wirklich. Wenn der Arbeitsprozess an diesem Arbeitsschritt einen Menschen erfordert, dann muss dort ein Mensch tätig sein. An diesem Arbeitsschritt, aber nicht automatisch zwingend an einem Arbeitsplatz im Unternehmen.
Da aber Menschen, die keiner fremdfinanzierten Erwerbsarbeit bei uns nachgehen, um ihr Dasein zu fristen, in unserem Sozialsystem höchster Ineffizienz, welches auch resultiert aus den Weisheiten der Wahl-Sonntagsreden von Politikern und dem TOP-Managementwissen erworben im BILD-Abonnenten-Abitur, nicht sinnvoll für unsere Gesellschaft sind, wollte ich zwei "Arbeitsplätze" finanzieren und einrichten, damit dort Arbeitssuchende eine Anstellung und Aufgabe finden und somit einer fremdfinanzierten Erwerbstätigkeit nachgehen. Der erste und somit schwerwiegendste Fehler, den diese beiden betreffenden Leute machten, sie suchten wirklich selbst, waren also selbst aktiv geworden. Das gilt vor allem für jenen der beiden, der bereits von ALG II also Hartz IV lebt.
Der zweite Fehler war und den machte ich, es fand sich wirklich ein Unternehmen, das die beiden einstellen wollte. Grund genug also für die "Agentur für Arbeit" in Frankfurt (Oder) festzustellen, dass eine mindestens 6 Monatige Einarbeitungszeit weil betriebsbedingt notwendig und daher absolut nicht förderwürdig sei. Keinen Tag lang, keine Sekunde - absolut niemals. Eine betriebsbedingte Einarbeitung, so die Agentur, sei generell schon vom Unternehmen zu finanzieren und allein zu tragen. So etwas könne und dürfe man nicht fördern. O.K - schon klar, mein Unternehmen ist weder Conergy noch First Solar, noch haben wir sonst eine politisch aktive und mächtige Lobby. Leider ist auch keiner der beiden bereits Alkoholiker, womit eine Förderung ja dann wohl wieder möglich wäre.
Da ich die mit einer Einstellung verbundenen finanziellen Lasten aber nicht allein tragen kann und will, werde ich wohl oder übel auf die Einstellungen verzichten und dann lieber die Prozesse weiter so anpassen, dass zusätzliche Mitarbeiter  im Unternehmen nicht notwendig werden. Pech nur für die "Agentur für Arbeit", denn die Finanzierung des Lebensunterhaltes der beiden und ihrer Familien erfolgt  somit weiterhin über die "Agentur für Arbeit". Und die wird bei dem nun laufenden Modell eventuell auch nach 6 Monaten nicht aus der Finanzierung heraus kommen. Warum das Ding nun aber auch noch "Agentur für Arbeit" heisst, erschliesst sich mir absolut nicht. Gut - ich habe ja auch kein BILD-Abonnenten-Abitur. Aber eines haben die beiden wohl weiterhin: Sehr viel Zeit für ihre Familie
Manchmal aber fällt der Euro bei einigen Leuten auch nicht einmal Cent-weise 

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